EINE APPARTEMENTANLAGE IN DER VILLA VON CLARA CALAMAI
(Artikel aus der Tageszeitung “Il Tirreno” vom 19/06/2005)
Viele der “Junggebliebenen” in Rosignano im Alter zwischen sechzig und siebzig haben noch das Bild der Schauspielerin Clara Calamai vor dem geistigen Auge, wie sie am privaten Strand ihrer Villa in der Mazzanta ein Sonnenbad nimmt.
Dieses majestätische Gebäude, ehemalige Luxusresidenz im Süden von Rosignano, ist heute eine Appartementanlage...Wie der Phönix aus der Asche wurde die Villa zu neuem Leben erweckt, jene Villa im Besitz der Schauspielerin aus Prato (die durch die Heirat mit dem Grafen Alberto Bonzi Gräfin wurde und berühmt war für ihr ganz unkonventionellen Verhaltens auch vor der Filmkamera), die eine ziemlich bewegte Geschichte aufzuweisen hat.
Sie wurde in den vierziger Jahren erbaut, eine ziemlich abgelegene Luxusherberge mitten in einer dichten Vegetation und mit eigenem Strand. Im Laufe der Jahre hat sie mehrmals Besitzer gewechselt: zu Beginn der 50iger Jahre überließ Clara Calamai die Villa einem adeligen Norditaliener, während ein Teil des Gebäudes von den Besitzern der Lackfabrik Max Mayer gekauft wurde.1952 gelangten die Villa und viele der Grundstücke, die sie umgaben, in den Besitz von Salvatore Ciarlo. Ab etwa 1975, während die Mazzanta einen bedeutsamen städtebaulichen Aufschwung erlebte, wurde sie Ferienheim für Kinder der Gebietskrankenkasse in Volterra. Ab der ersten Hälfte der 90iger Jahre blieb die Villa unbewohnt und verfiel zusehends, als sie von der Gebietskrankenkasse zum Verkauf freigegeben wurde.
2001wurde die Villa für 850 000 Euro von der Immobiliengesellschaft Massimo Sobrini erstanden. Für die Familie Sobrini präsentiert Villa Mazzanta eine weitere Investition im Tourismussektor: sie ist schon Besitzer der Ferienanlage Stella del Mare und eines Teil des Campingplatzes Mare Blu.
“Während der gesamten Bauzeit - erklärt Massimo Sobrini – ist es uns nicht gelungen, das genaue Alter der Villa zu erfahren, sicher ist, dass sie irgendwann in den 40iger Jahren entstand. Es handelt sich um die erste Villa in der Mazzanta: zu jener Zeit fand man hier nur einige Bauernhöfe und das zu renovierende Gebäude. Die Villa weist viele architektonische Ähnlichkeiten mit Kolonie von Calabrone auf”.
“Im Laufe der Jahre – bemerkt abschließend Sobrini – wurde die Villa drei bedeutenden Restaurierungsarbeiten unterzogen. Von der Schauspielerin haben wir keinerlei Zeichen gefunden, außer einer Fliese mit dem Familienwappen der Adelsfamilie Bonzi, deren Mitglied sie durch die Heirat mit dem Grafen Alberto wurde”.
Clara Calamai ist berühmt für die erste Darstellung einer nackten Brust im italienischen Kino. Es war 1941 im Film “La cena delle beffe” unter Regie von Alessandro Blasetti nach dem gleichnamigen Theaterstück von Sam Benelli.
Clara Calamai wurde im toskanischen Prato, als Geburtsjahr gab sie ihr ganzes Leben über 1915 an: erst nach ihrem Tod 1998 in Rimini, entdeckte man, dass sie in Wirklichkeit 1909 geboren wurde. In Prato lebte sie in ihrem Haus in der Via Della Robbia, bis zum Alter von etwa 18 Jahren. Sie war Tochter des florentinischen Bahnhofvorstehers Priamo Grazzini.
Sehr jung verlies sie Prato, um eine unglückliche Liebesgeschichte mit einem älteren Mann zu vergessen. Dies stellte den Anfang für eine lange und brillante Filmkarriere dar. Ihre unvergleichliche Schönheit wurde als erstes vom Produzenten Eugenio Fontana erkannt, der für den Film “Pietro Micca” auf der Suche nach neuen Gesichtern war.
Der Regisseur Aldo Vergano war Pate der rasanten Karriere der Calamai, die in zwanzig Jahren mehr als 30 Filme gedreht hat, darunter unvergessliche Werke wie Besessenheit (Ossessione) und Weiße Nächte (Le notti bianche) von Luchino Visconti und L'adultera (1946) vonDuilio Coletti, dem sie ein Nastro d'Argento.
Viele Jahre nach ihrem Rücktritt aus dem Rampenlicht wollte sie, Dario Argento in seinem Film Profondo rosso (1975): idie Rolle und der Film selbst wurden später zum absoluten Kult für Cineasten.
In der Villa in der Mazzanta verbrachte Clara Calamai viele Sommer, vor allem nach der Heirat mit dem Grafen Bonzi. Die Einheimischen wussten von ihren Aufenthalten und oft kamen Schaulustige an ihre Villa, um einen Blick auf ihre Schönheit zu werfen
VIP A CASTIGLIONCELLO
(Artikel aus der Tageszeitung “Il Tirreno” vom 23/09/1998)
Clara Calamai, die Rimini am Alter von 89 Jahren verstorben ist, war wahrscheinlich die erste der «VIPs» die unsere Strände besucht haben. Viele Jahre bevor Castiglioncello von der Filmwelt der 60iger Jahre entdeckt worden ist (Sordi, Mastroianni, Gassman…) wählte die Calamai die damals sehr abgelegen Zone der Mazzanta als sommerlichen Zufluchtsort, in den Pausen zwischen den Sets.
Der fast unbekannte Zufluchtsort von Clara Calamai, zur Zeit ihrer größten Erfolge in den 40ger Jahren und später bis in die ersten 50ger, war eine schöne Villa umgeben nur von Feldern und verstreuten einzelnen Bauernhöfen. Von ihr aus konnte sie den damals völlig leeren Strand erreichen und sich ungestört der Sonne und des Meeres erfreuen. Heute scheinen es Legenden, als einige Fischer berichteten, die Schauspielerin gesehen zu haben, als sie völlig nackt in der Sonne lag, in einem kleinen Boot im Meer bei Molino a Fuoco.
In diesen inzwischen lang vergangenen Zeiten war das sicher ein ganz außergewöhnliches Ereignis, und passt perfekt zum «Mythus» der Diva aus Prato, die als erste in einem Film ihre nackte Brust gezeigt hat, in der berühmten Szene in «La cena delle beffe» aus 1942. Das «Versteck» der Calamai in dieser Mazzanta, die noch wilde Maremma war, ist praktisch allen zu dieser Zeit entgangen. Und das, obwohl die Schauspielerin in der Nähe der Villa eine kleine Landepiste errichten ließ, um ihren Zufluchtsort mit dem Flugzeug zu erreichen.
Die «Paparazzi» hat es zu der Zeit noch nicht gegeben, und auch nicht das Fernsehen, und die Zeitungen fanden es nicht der Mühe wert, den «Divas» auch im Urlaub zu folgen. Die Mazzanta bestand außerdem damals aus wenigen Bauernhöfen, die über die Felder verstreut lagen und auch in Vada – wo es kein Kino gab – dachte man eher an den Wiederaufbau nach dem Krieg als an die Faszination der Filmwelt. |